Wirtschaftlicher Nutzen durch 2.260 zusätzliche StUB-Benutzer – StUB, muss das sein?

Kommentar von Wilhelm Krieger zur aktuellen StUB-Diskussion vom 29.03.2015

Die StUB kam vor ca. 20 Jahren ins Gespräch, als man (wer?) annahm, die Busse kämen an ihre Kapazitätsgrenze und müssten durch ein schienengebundenes System Straßenbahn, bei uns StUB genannt, ersetzt werden. Da war noch nicht die Rede von „die Stub tut der Region gut“ oder die Region braucht die StUB“ oder sogar „Fachkräfte bekommt man nur in die Region, wenn hier ein modernes Transportsystem Straßenbahn existiert“.

Das Problem mit der Kapazität lösen die verantwortlichen Verkehrsbetriebe bereits laufend und flexibel dadurch, dass sie den Bedarf ständig beobachten und die Transportkapazität anpassen. Das sieht man z. B. daran, dass zu den Stoßzeiten zwischen Nürnberg und Erlangen Gelenkbusse, in den Schwachzeiten weiter Solo Busse eingesetzt werden.

Die Folge ist, dass wir in der Region weder das BRT-System mit den damit angeblich benötigten extra Straßen brauchen, noch eine StUB, für die erst einmal für über 40 Millionen € Trassen geplant und dann für über 400 Millionen € Gleistrassen gebaut werden müssten.

Das Gutachten, das für die StUB einen Wirtschaftlichkeitsfaktor von über 1,0 ausweist, beruht auf Regeln, die sich das Büro INTRAPLAN selber „gestrickt“ hat. Die darin verwendeten Zahlen sind nirgends belegt und halten dem einfachsten logischen Hinterfragen nicht stand.

Der gesamtwirtschaftliche Erfolg durch die StUB soll dadurch entsteht, dass
zu den 10 930 Fahrgästen, die bisher die Busse benutzen und in die StUB umsteigen müssten, zusätzliche 2.260 Fahrgäste mit der StUB fahren würden.

Die Kostenvorteile durch die StUB setzen sich zusammen aus:

4.820.000 € an Reisezeitnutzen (für die bisherigen 10 930 Fahrgäste durch die kürzere Reisezeit)
8.267.000 € Einsparung an PKW Betriebskosten für die zusätzlichen 2.260 Fahrgäste wie
Benzin und Reifenabnutzung 8 267 000: 2 260 = 3 658 €/Jahr und PKW abzüglich Fahrtkosten für die StUB,
während Steuern, Versicherung und Abschreibung gleich bleiben.
2.543.000 € weniger Kosten durch Unfallschäden für die zusätzlichen 2.260 Fahrgäste
1.723.000 € Einsparung an CO2 und anderer Schadstoffe (wer spart das?)
12.760.000 € Gesamtwirtschaftlicher Gewinn pro Jahr.

Diesem theoretisch gesamtwirtschaftlich erzielbaren Gewinn von 12,760 Mio. € stehen mit über 400 Mio. € der über 30-fache Aufwand für die StUB gegenüber.

Weitere Unsicherheitsfaktoren sind, dass

  • noch niemand weiß, ob die o. g. Gewinnermittlung einer juristischen Prüfung stand hält,
  • noch niemand weiß, ob nach der Feinplanung der StUB der Faktor noch über 1,1 ist,
  • noch niemand weiß, ob die Stadt die KO-Finanzierung aufbringen kann,
  • noch niemand weiß, ob in dem GVFG Fördertopf noch Geld für die StUB ist,
  • noch niemand weiß, ob es eine Nachfolgeregelung für die GVFG-Zuschüsse nach 2019 gibt,
  • noch niemand weiß, ob die Gleise im Straßenkörper bezuschusst werden,
  • noch niemand weiß, ob und zu welchem Preis die Grundstücke erworben werden können.

Und das Alles, um ein vorhandenes und funktionstüchtiges Bus System durch das Prestigeprojekt StUB zu ersetzen?
Auf alle Fälle würden die für Erlangen anteiligen 100 Millionen an der Finanzierung der StUB wesentlich vernünftiger für die Sanierung von Schulen und Straßen und die Erledigung der Kommunalen Aufgaben eingesetzt.

2 thoughts on “Wirtschaftlicher Nutzen durch 2.260 zusätzliche StUB-Benutzer – StUB, muss das sein?

  1. Man muss noch am besten darüber denken, oder hoffen, dass für die Fahrgästen, die heute Bus nutzen den Weg zur Arbeit schneller und bequemmer wird. Und auch Menschen die in Erlangen wohnen einfacher und viel gerner nach Nürnberg zum Ausgehen fahren könnten.

    Es kommt nicht darauf an, dass „nur“ etwa 2000 neue Fahrgäste kommen, sondern mehr, dass die bestehende Fahrgeste auch bessern Lebensqualität dadurch bekommen.

    Wird das Leben in und um Erlangen attraktiver, ziehen auch neue Firmen und Menschen nach Region, so dass auch Anzahl von Fahrgesten dauerhaft noch weiter steigt.

    Entwicklung des Regions ist IMMER besser, als blosse Beibehaltung vom bestehenden System. Argument, dass es heute „gerade so passt“ und wir „nichts neues brauchen“ sind Quatsch. Der Stadt soll sich auf zukunftige Herausforderungen vorbereiten. Heute Reicht es, aber in 10 Jahren nicht mehr. Nur ist der Strassenbahn nicht ein Weihnachtsgeschenk, der man sich schnelle besorgen kann. Wenn Der Stadt in 10-20 Jahren führend und wettbewerbsfähig (gegenüber anderen Regionen in- und außerhalb Deutschland) sein möchte, muss die Bau bereits heute starten.

    1. In mehreren deutschlandweiten Umfragen und Analysten wurde bestätigt, dass Erlangen eine der Städte in Deutschland mit der höchsten Lebensqualität ist. Und dies obwohl keinerlei Strassenbahn vorhanden ist. Nürnberg hingegen kam da bisher nicht so gut heraus…
      Aber wie auch immer: Wieso sollte die Lebensqualität der Bürger signifikant steigen, nur weil im Osten der Stadt eine langsam fahrende Bahn, die fast „an jedem Kuhfladen“ hält, nach Nürnberg führt, wo doch gleichzeitig 2 Autobahnen, die S-Bahn und die Bundesbahn dort viel besser und schneller hinführen; Und das nicht nur irgendwo im Nordosten von Nürnberg, sondern in Stadtmitte.

      Auch die Richtung über den Wiesengrund Richtung Herzogenaurach bringt Erlangen selbst nicht viel. Erst recht nicht den Punkt Lebensqualität: Die Nichtbebauung des Wiesengrunds durch eine weitere Brücke war bereits vor einigen Jahren Gegenstand eines Bürgerentscheids. Die Erlangen Bürgern lehnten die weitere Bebauung des Wiesengrunds ab, da diese ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet ist. Eine weitere Brücke duruch diesen würde also genau das Gegenteil verursachen als postuliert.

      Die Vermutung, dass ein Bürgerentscheid gegen StUB auch gleichzeitig ein Entscheid gegen moderne Verkehrskonzepte ist, ist jedoch falsch. Auch hier gilt das Gegenteil. Das StuB-Konzept ignoriert ja eben alle anderen modernen Konzepte. Es wird alles nur auf diesen einen Ast mit der Strassenbahn gesetzt. Neue und innovative Verkehrskonzepte, die in anderen Städten (und dabei auch insbesondere in Fahrradstädten!) eingesetzt werden, kommen in dem Konzept überhaupt nicht vor.

      Wenn Erlangen wirklich fitt werden will für eine Zukunft unter veränderten Infrastrukturbedingungen -nämlich auch gerade der Umzug von Siemens in den Süden und die Verlagerung großer Teile der Uni in die Mitte, sowie von Teilen der Uni „auf AEG“- dann ist das StUB-Konzept bereits jetzt veraltet und genauso eindimensional wie die dort propagierte Strecke.

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